Projekte:
Immer Zimmer, Kinderzimmer., 2005

"...Ich bin ein altes Zimmer, hab viele Menschen schon gesehn, die kamen meist für immer, sah sie kommen, sah sie gehn und morgen bin ich wieder Kinderzimmer. Und meine alte Freundin die Kommode, die war ganz neu und fühlte sich erhaben mit ihren Windeln stand sie hoch in Mode. Doch bald bemalten kleine Kinderhände mit Drachen und mit Blumen meine Wände. Dann kam die Zeit der Schulaufgaben, da war die Zeit, da war ich Kinderzimmer..." aus: "Ich bin ein altes Zimmer", Stephan Sulke, 1979

Das ehemalige Kinderzimmer im Haus der El- tern - eine Begegnung mit der Vergangen- heit und Gegenwart gleichermaßen. Vier Wände voller Erinnerungen an die Kindheit. Aber trotzdem diese Zimmer von den Eltern bewahrt worden sind, stehengeblieben ist auch hier die Zeit nicht. Fast immer gibt es den Versuch, dem Zimmer einen weiteren Grund seines Daseins zuzuordnen: den lang entbehrten Rückzugsraum für ein Eltern- teil, einen separierten Übernachtungsplatz für Gäste, einen Ort zum Bügeln oder für das Trimm-Dich-Fahrrad. Alles geschehen aber, ohne je dabei die tatsächliche Auf- lösung des Zimmers einzufordern. So sind die Kinderzimmer zu Räumen geworden, die im Heute seltsam fremd anmuten. Mit Möbeln aus einer anderen Zeit und einer Seele, die verloren gegangen zu sein scheint, beim Versuch, den Lauf der Zeit an diesem Ort etwas abzubremsen.

In meiner Arbeit fotografiere ich diese Kinderzimmer und bitte die erwachsenen Kinder hinzu. Spannend ist an diesem Punkt, inwieweit sich die von mir Port- rätierten auf den Raum einlassen möchten, Distanz schaffen oder Nähe zulassen. Die Fotografien werden jeweils begleitet von einem kurzen Text der Personen, in welchem sie über den Raum Bezug nehmen auf ihre Kindheit.


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