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KRISHAK - YIELD OF TIME, 2017/18

Weltweit sind ein Drittel aller arbeitenden Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt. Millionen von Kleinbauern produzieren in Asien und Afrika meist auf kleinsten Flächen den größten Teil aller Lebensmittel. Dies steht in deutlichem Kontrast zur parallelen Entwicklung hin zu immer größeren, energie- und rohstoffintensiven Bewirtschaftungsformen, die weltweit durch offene Märkte bzw. gezielte Subventionen gefördert werden.

Der von dem Philosophen Ernst Bloch geprägte Begriff der Ungleichzeitigkeit meint, dass nicht alle Milieus und Bereiche einer Gesellschaft Modernisierungsprozesse synchron durchlaufen und vergleichbare Niveaus erreichen. In Indien, bekannt als Land der Gegensätze und Kontraste, ist Blochs Ungleichzeitigkeit überall zu sehen, zu erfahren und zu erspüren. Längst im internationalen Wettbewerb angekommen und für den globalen Markt geöffnet, kontrastiert der Subkontinent den rasant wachsenden Wohlstand einer Ober- und Mittelschicht mit der Lebensweise einer Bevölkerungsmehrheit, deren Alltag größtenteils aus dem manchmal auch scheiternden Bemühen besteht, elementare Grundbedürfnisse zu befriedigen.

Der ländliche Raum Indiens ist nicht selten von einer sehr einfachen, nahezu archaischen Lebensweise geprägt. Insbesondere Kleinbauern fehlt der Anschluss an kapital-intensive Ertragssteigerung durch Maschineneinsatz und Düngemittel bzw. Erweiterung ihrer Produktionsbasis über Landerwerb.

Auch in Bengalen, unweit der Millionenstadt Kolkata, wird Reis noch angebaut und geerntet wie vor Hunderten von Jahren. Die Ernte der Reispflanzen und das Dreschen der Rispen wird fast ausschließlich in manueller Arbeit vollzogen. Auf dem Kopf, dem Fahrrad oder Ochsenkarren wird die Ernte auf die Dreschplätze im Dorf getragen und transportiert.

Auf den ersten Blick lässt sich hier wenig von der rasanten ökonomischen Dynamik Indiens erkennen. Eindrücklich und von bildhafter Intensität, gleichzeitig die Härte des bäuerlichen Alltags widerspiegelnd, zeigen die Fotografien ein Leben auf dem Land, das nicht nur in der Zeit stehengeblieben scheint, sondern globale Fragestellungen visualisiert: Wie kann eine zukunftsfähige Agrikultur im Spannungsfeld ökologischer und sozialer Anforderungen aussehen?


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