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Geerbte Steine - Reichsparteitagsgelände Nürnberg, 2001|02

Der erste Teil meiner fotografischen Ar- beit über das Reichsparteitagsgelände setzt sich mit der faschistischen Ästhetik der Bauten des Dritten Reichs auseinander. Die Bauten sind von mir in einer Art visualisiert, die Empfindungen von Monu- mentalität und Faszination durch Schä- bigkeit; Vergänglichkeit und Hässlich- keit ersetzen. Dies wird inhaltlich durch die Wahl des Ausschnitts sowie über die formale Qualität der Bildgestaltung er- reicht. Normalbrennweite, parallele Auf- nahmestandpunkte, mittige Aufteilung, blasse Farbigkeit und das Quadrat als Bildformat sind immanente Bestandteile des Konzepts. Die Arbeit ist als Gegenentwurf zur faschistischen Ästhetik, der Propa- gierung des Schönen, verstehbar. Der in- tendierte Eindruck der nationalsozialis- tischen Herrschaftsarchitektur erfährt in diesen Fotografien eine Umkehrung, die dem Rezipienten eine Reflektionsebene eröff- net.

Teil II: Bis heute sind wir Deutschen damit konfrontiert: "Was tun mit den Bauten des Dritten Reichs?", die teilweise selbst für die Verdrängungslösung des Wegsprengens schlichtweg zu riesig sind; wie auch das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. So gibt es dort viele Hektar ungenutztes Gelände, denen man mehr oder weniger ratlos begegnet. Die Angst vor historischen Fehlgriffen ist zu groß, um das gesamte Gelände dauerhaft in eine andere Nutzung zu überführen. So bleibt es auch in der Demokratie das, was es im Nationalsozialismus war: ein Ort für Mas- senveranstaltungen. Rockfestivals, Volks- feste und Autorennen füllen das Gelände mit vielen Menschen, man fährt Boot auf dem Dutzendteich, grillt am Silbersee und Hitlers große Straße ist zu einem Parkplatz geworden. Im historischen Kon- text kann man sich natürlich schnell darüber empören, aber die heutigen Massen- veranstaltungen auf dem Gelände haben andere Vorzeichen. Wichtig bleibt die Reflektion der Vergangenheit in der Gegen- wart. Hierfür bietet meine Arbeit Raum. Die menschenleeren Bilder schaffen Platz für eine historische Auseinandersetzung über das Potenzial der Verführbarkeit von Massen, aber auch für die dafür not- wendigen inhaltlichen und politischen Voraussetzungen.


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