Projekte:
Innere Angelegenheit, 2008

Das Projekt "Innere Angelegenheit" ist eine fotografische Arbeit über ehemalige Untersuchungshaftanstalten des Minister- iums für Staatssicherheit der DDR. Heute sind etwas mehr als die Hälfte der ehemals siebzehn vorhandenen UHA in Gedenkstätten umgewandelt worden oder im Leerstand zu- gänglich. Diese Gegebenheiten ermögli- chen einen umfassenden Einblick in den Strafvollzug eines vergangenen politischen Regimes.

Über eine ausschließliche Konzentration auf das Innere der Zellen und Hafträume in meinen Fotografien ist die Möglichkeit einer weiteren Verortung nicht gegeben. Die Bilder lassen keine Rückschlüsse auf die Umgebung zu, in der sie entstanden sind. Hierüber verweist meine Arbeit auf die Vorgehensweise des MfS, das den Inhaf- tierten oft bis zum Zeitpunkt der Haft- entlassung keine Kenntnis über den Ort ihrer Haft zugestanden hat.

Über die Verwobenheit von musealer Künst- lichkeit und dem Leerstand geschuldeten Verfall gleichermaßen innerhalb der ge- zeigten Serie lässt sich leicht erahnen, dass die Arbeit "Innere Angelegenheit" sich mit Vergangenem auseinandersetzt. Je- doch sind die gezeigten Räume ohne die Tatsachenberichte über systematische psy- chologische Zermürbung und Erpressung der Häftlinge dem politischen System der DDR nicht eindeutig zuzuordnen. Grundlegend anders, als in einer gewöhnlichen deut- schen Justizvollzugsanstalt scheint es dort auch nicht ausgesehen zu haben.

Tatsächlich ist auch unsere heutige Reali- tät in den Aufnahmen der Stasi-Gefängnisse teilweise erkennbar. Denn die Gefängnis- strafe ist seit der Ablösung der Körper- strafe im Mittelalter in allen Diszi- plinargesellschaften bis heute von Be- stand. So offenbart sich - nun jenseits einer Spurensuche von DDR-Geschichte - ein zum Selbstverständnis gewordenes, grund- sätzliches gesellschaftstragendes Prinzip der Disziplinierung, das unabhängig von gegenwärtigen politischen Systemen be- trachtet werden kann. Die Aura von Karg- heit und Stille der abgebildeten Zellen kann gar als ein Verweis auf die Ursprünge der Disziplinierung verstanden werden, die im westlichen Klosterleben (Benediktiner- tum) zu finden sind.


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