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Ausstellung: Große Kunstausstellung NRW 2008

Westdeutsche Zeitung

Der Führungswechsel ist ein Stilwechsel

Düsseldorf. Führungswechsel sind immer auch Stilwechsel. Das kündigt sich jetzt bei der"Großen Kunstausstellung NRW Düsseldorf" an. Ausgerichtet wird sie seit 1902 vom Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen, dessen Vorsitzender Axel Vater nun den Stab an Jürgen Gromoll übergibt.

Damit einher geht ein Relaunch der "Großen Düsseldorfer", der der lange beklagten Werkfülle und der Überalterung der Künstler abhelfen soll. Erste Erfolge sind jetzt bei der Präsentation im Museum Kunst Palast zu sehen. Die "Große Düsseldorfer" bleibt zwar eine Verkaufsausstellung, hat sich aber einen musealeren Touch gegeben. Gerade einmal 250 Werke von 154 Künstlern wurden von der siebenköpfigen Jury angenommen. In den vergangenen Jahren waren es meist doppelt so viele.

Nun können die ausgestellten Werke ihre Wirkung unbeeinträchtigt entfalten - und das, obwohl alle Genres von der Fotografie über Plastik, Installation, Videoarbeit, Grafik bis Malerei vertreten sind. Gerade die unübersehbar dominante Malerei, die die beiden Säle im ersten Stock beherrscht, schwächelt aber nach wie vor. Sicher, da ist die 27-jährige Sala Lieber, der der Förderpreis der Großen Kunstausstellung zugesprochen wurde. Ihre großformatigen Ölgemälde (7000 Euro) arbeiten mit spätbarockem Figurenprogramm in satter Fleischlichkeit vor arabeskem Hintergrund. Sie erweist sich als ein Versprechen für die Zukunft.

Ansonsten sieht man viel Epigonales; geradezu erschreckend die Einfallslosigkeit der "abstrakten" Werke.

Weit spannender dagegen sind die Arbeiten aus den Bereichen Fotografie im Saal 1 und die installativen Werke. Sabine Pürschler zeigt zwei Relief-Teppiche, in denen sich Straßenbeläge und Kanaldeckel abdrücken. Die sechsteilige Fotoarbeit "Abwesenheitsnotizen" von Anja Bohnhof und Karen Weinert reiht beängstigend schöne, leere Räume aneinander, denen die Bewohner abhanden gekommen sind. So jung die drei Künstlerinnen sein mögen, trotz guter Absichten des Vereins dominieren nach wie vor die Jahrgänge 1948 bis 1968. Oder die noch Älteren.

Zum Beeindruckendsten der Ausstellung gehört ausgerechnet ein Werk des 83-jährige Horst Egon Kalinowski: "Entrave" heißt der übermannshohe, düstere Pranger mit aufplatzender Oberfläche. Im selben Raum überrascht Senta Connert mit säuberlich aufgestapelten und zugeschnittenen Stoffteilen für Hemden. Eine Etage höher wiederum faszinieren die Fellobjekte von Günter Weseler, dem der Kunstpreis der Künstler 2008 zugesprochen wurde.

Die Preisspanne der gezeigten Kunstwerke bewegt sich zwischen 80000 Euro für eine "Sphinx"-Plastik von Tobias Gerstner, 220 Euro für die Blätter "Erinnerung IV" von Janet Zeugner. Den Löwenanteil der Ankäufe wird wieder die Stadt tätigen, die etwa 100000 Euro ausgeben will. Was da bisher erworben wurde, zeigt eine Sonderausstellung im Saal 4.

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