Presse:
Lenin hinterm Ofen

Badische Zeitung, 29.11.2011 von Stefan Tolksdorf

Um den Raum, allerdings in breiterem Kontext, geht es auch im Badischen Kunstforum Ebringen. Auf Initiative des Malers und Fotokünstlers Hans Benesch finden seit 2007 in vier Räumen eines Jugendstilhauses interessante themenzentrierte Ausstellungen statt. Die Dortmunderin Anja Bohnhof hat in einer irritierenden Fotoserie ein Stück DDR-Vergangenheit inszeniert, zwischen ironisch reflektierter Ostalgie und real existierendem Sozialismus. Da verschwindet ein Leninbild halb hinter einem rustikalen Kachelofen, hängt eine gehäkelte Nofretete wenig zukunftssicher hinter einer Fünfziger-Jahre-Stehlampe.

Ein heimelig-unheimliches Spießerambiente, wie es sich natürlich auch im Westen finden ließe. Nur der NVA-Mantel neben dem Nierenspiegel verweist auf das "Ost-Museum".

Beim Maler Ralph Hinz aus Bremerhaven ist der Raum mit magischem Realismus aufgeladen. Die zwei Schatten hinter dem Vorhang verstärken die latent bedrohliche Atmosphäre. Bei der Frankfurterin Friederike Walter wirkt der gemalte Raum beinahe begehbar: Der Betrachter steht vor einer augentäuschenden Fahrstuhltür. Andrea Imwiehe aus Bremen negiert den Raum in ihren Zeichnungen, allerdings nicht so konsequent wie Martina Geist. Ihre auf weichem Acrylsand mit zittrigen Linien skizzierten Zimmer-Ausschnitte konfrontiert sie mit aufgeklebten Fotos, die den Raum assoziativ erweitern. Von den skulpturalen Arbeiten überzeugt Heinz Bert Dreckmanns gedrillter Reif aus Wäscheklammern mehr als Stephan Ehrenhofers Miniatur-Wolkenkratzer aus bemaltem Styropor mit dem Titel "Dallas". Der sich dahinter verbergende oder vom Objekt selbst repräsentierte Raum weckt zwar kaum Neugier, das Badische Kunstforum Ebringen aber lohnt immer den Besuch.

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