Presse:
Die besondere Aura des leeren Raumes

Südkurier

Zwei Fotografinnen teilen sich das Kunststipendium im Kavalierhaus in Langenargen, 14.04.2011 von Franz Josef Lay

Es ist eine Premiere, sagte Carola Seitner, Kulturreferentin der Gemeinde Langenargen, bei der Vorstellung der beiden Stipendiatinnen Anja Bohnhof und Karen Weinert, denn erstmals würden sich gleich zwei Künstlerinnen das Kunststipendium im Kavalierhaus teilen.

Die beiden haben sich bei ihrem Kunststudium an der Bauhaus-Universität Weimar kennengelernt und seit 2003 in regelmäßiger Zusammenarbeit ihr Langzeitprojekt "Abwesenheitsnotizen" verfolgt. Bereits 19 Objekte sind realisiert worden und ein Besuch im Theodor-Storm-Haus in Husum wurde gerade abgeschlossen.

Mit ihren fotografischen Aufnahmen präsentieren sie museale Gedächtnisstätten von bekannten Persönlichkeiten wie Martin Luther, Annette von Droste-Hülshoff oder Robert Schumann. Dabei zeigen sie Ansichten dieser Wohnräume in komplett ausgeräumtem Zustand, frei von beweglichen Gegenständen und Mobiliar. Übrig für den Betrachter bleiben nur noch Elemente aus heutiger Zeit, wie Heizkörper, Steckdosen oder Sicherheitssysteme.

"Was bleibt, wenn nichts mehr bleibt?" Diese Frage stellen die Fotografien. Mit dem Ausräumen der ehemaligen Arbeits- und Lebensräume werde eine Leere inszeniert, welche den Blick des Betrachters auf die sichtbar werdenden "Unbestimmtheitsstellen" lenkt und hierüber die Frage nach Verlust und Beständigkeit an die heutige Welt stellt, argumentieren die beiden Künstlerinnen. Die Aufnahmen der leeren Innenräume, die noch mit Plattenkamera und Belichtungsmesser ausgeführt werden, zielen auf eine Erwartungshaltung des Betrachters ab.

jeweiligen Wohnraumes berühmter Menschen durch die Stille der Stätte nachgefühlt werden. "Die ,Abwesenheitsnotizen' sind, gleichermaßen wie ihr Gegenstand zwischen Dokument und Inszenierung changierend, kritische Reflexion über die Herstellung von ,Bildern', in denen Geschichte überliefert wird", schreibt Agnes Matthias in dem kleinen, aber aufwändig illustrierten Katalog.

Die Stipendiatinnen haben sich, aus dem norddeutschen Raum kommend, schon ein wenig in unserer Region nach ähnlichen Projekten umgesehen: Sie steuern das Hermann-Hesse- oder das Otto-Dix-Haus auf der Höri an. Es ist nicht immer leicht, Institutionen oder Verwaltungen dazu zu überreden, dass ihr musealen Stätte auch nur für Stunden ausgeräumt werden sollen, verrieten die Künstlerinnen. Aber ihre bisherige Arbeit spricht von Überzeugungskraft, mit der sie auch rund um den Bodensee erfolgreich sein werden.

Die Ausstellung wird vom 19. Juni bis 3. Juli im Kavalierhaus zu sehen sein.

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