Presse:
Wenn Leere Bände spricht

Husumer Nachrichten

Künstlerinnern räumten Storms Poeten-Stübchen aus und fotografierten es, 25.03.2011 von Volkert Bandixen

Husum. Bert Brecht steht auf ihrer Liste und Helene Weigel auch. Ebenso Robert Schumann, Luther, August Macke und Friedrich Schiller. Und nun also Theodor Storm. Mit ihrem Projekt "Abwesenheitsnotizen" setzen die Künstlerinnen Anja Bohnhof (36) und Karen Weinert (34) fort, was sie mit ihrer Diplomarbeit begonnen haben und selbst als "inszenierte Eingriffe" bezeichnen. Die Inszenierung besteht darin, Wirkungsstätten "allgemein anerkannter Persönlichkeiten" - wie zum Beispiel Arbeitszimmer, Musiksalons, Ateliers und manchmal auch einen Wohnraum - ganz oder in Teilen auszuräumen und dann leer zu fotografieren. Dabei folgt das Duo der Idee des Historikers Hans-Dietrich Schulz, wonach "Räume nicht sind, sondern gemacht werden" und wirft zugleich die Frage auf, was bleibt, wenn nichts mehr bleibt? In Husum hatten sie sich dafür das Poeten-Stübchen Theodor Storms in der Wasserreihe 31 ausgesucht und konnten schließlich auch Dr. Gerd Eversberg von ihrer Sache überzeugen. "Erst war ich skeptisch und habe mich gefragt, was das Ganze soll", sagt der Sekretär der Storm-Gesellschaft mit vieldeutigem Unterton.

Diese Frage sei ihnen bestens geläufig, gestehen die beiden Künstlerinnen und legen dazu ihrerseits ein Lächeln auf: Oft dauere es Jahre, bis sie ein Shooting verwirklichen könnten, und ohne Kataloge, die die bisherige Arbeit dokumentierten, wäre sicher so manche Tür verschlossen geblieben. Doch mit ersten Ergebnissen vor Augen wird dann auch klar, worum es den beiden Frauen die vor dem Kunststudium eine Ausbildung zur Fotografin absolviert haben, wirklich geht. Ohne bewegliche Gegenstände und Mobiliar rücken plötzlich die vermeintlichen Marginalien des Raumes in den Blick des Betrachters: Heizkörper, Steckdosen, Trittspuren auf dem Boden. Wie schon in ihrer Diplomarbeit, in der sie die Aura von Wohnhochhäusern manipulierten, inszenieren die beiden auch hier die Leere und verweisen damit zugleich auf Themen wie Verlust und Beständigkeit.

"Architektur und Musealisierungsprozesse haben uns schon immer interessiert", sagen Bohnhof und Weinert. Und mit der Idee der Leere schaffen sie eine Projektionsfläche für Fragen. Das Atelier, der Musiksalon oder - wie in diesem Fall - Storms Poeten-Stübchen verwandeln sich in einen "Denkraum", einen Ort, der gleichsam durch den Betrachter in und mit Gedanken möbliert werden muss. Dabei entsteht für einen kurzen Augenblick eine Art Gleichzeitigkeit von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Schon bald hoffen die Künstlerinnen ihre Fotos in einer umfassenden Publikation zeigen zu können.

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