Presse:
Preisträgerausstellung Sachsen_Art, Neuer Sächsischer Kunstverein

Sax Dresden 05/07

Die Zeit der Fotografien, Ausstellungen im Leonardi-Museum und beim Kunstverein, von Jacob Richard

[.] Der Neue Sächsische Kunstverein stellt Arbeiten der Preisträger der Sachsen_Art 2006 aus, die er mit der Kulturstiftung Dresden und der Dresdner Bank für Fotografie unter dem Thema "Zusammen-Leben" auslobte.

Von Anja Bohnhof (1974 Hagen) und Karen Weinert (1976 Dresden) ist das Projekt der leeren Räume zu sehen. Ihre Abwesenheitsnotizen sind Farbaufnahmen der Geistesgrößen wie Einstein, Droste-Hülshoff, Luther oder Mendelssohn-Bartoldy. Ausgeräumte Zimmer, keinerlei Mobiliar, nichts, was auf Tätigkeit verweist. Dielen, Tapeten und Vertäfelung sind alt, wie die Steckdose oder das Heizgerät neu. Im Zentrum jeder Ablichtung steht ein Fenster, durch das Sonnenschein kommt, der abends verschwinden wird, wie die Bewohner der Räume gestorben sind. Das Gegenlicht überblendet nicht die Struktur der Fensterrahmen oder des Fußbodens, es modelliert den winkligen Ausschnitt des Raumes. Handwerk und Komposition sind erstklassig, und so regen die Aufnahmen von der Gegenwart in die Vergangenheit an.

Katarina Günter (1978 in Rostock) stellt in quadratischen Schwarzweiß-Fotos die Gäste ihrer Küche vor. Es sind Portraits, wie sie zwischen Nudelauflauf und Klarem entstehen, wenn eine Kamera in der Nähe ist. Zur Erinnerung im Familienalbum mögen sie taugen, als Kunstwerke nicht. Die Zeit, da Schnappschüsse als Rebellion gegen die rituale Inszenierung beim Stadtfotografen taugen, ist Jahrzehnte vorbei. Die Beliebigkeit der Handyfotografie lässt sich weder toppen noch veredeln.

Die "Reinigungsgesellschaft", vertreten durch Hendrik Meyer (1971 Freiberg), stieß auf den Fundus der Hallenser Fotografen Oskar und Günter Molsberger, das sind mehr als 22.000 Planfilmnegative. In sechs thematisch gefassten Gruppen werden aus dem Archiv Aufnahmen vorgeführt, im wahrsten Sinne des Wortes. Ohne Kommentar erklären sich die jeweils zehn Kontaktabzüge als Relikte des Massengeschmacks der 50er bis 70er. Es ist ja nicht so, dasss nur die serienmäßige Einfallslosigkeit der Ablichter erstaunt, es ist auch das letztlich freiwillige statuarische Posieren der Leute, einem Bild entsprechend, das sie selbst von sich haben. Interieur, Berufsbekleidung und Orden oder das Schwarzweiß der Positive verweisen auf Vergangenheit. Die Tücke liegt, wie bei der "Reinigungsgesellschaft", in ihrer Konfrontation von Kunst und Alltag-Usus unausgesprochen im Bezug zur Gegenwart. Den müssen die Betrachter schon selbst finden, spätestens beim Abgeknipst-Werden in einem Studio. Bunter sind die Bilder geworden, Farbe ist etwas anderes und Charakter erst recht.

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