Presse:
Museale Ansichten

Dithmarscher Landeszeitung

Ausstellung von Anja Bohnhof über die Alltagsgeschichte der DDR, 11.09.2010

Die Fotografie zeigt einen Innenraum. Vielleicht ein Wohnzimmer. Ein dunkelgrüner abgewetzter Sessel mit Holzlehnen steht neben einer nostalgisch anmutenden Lampe. Links im Bild ist ein Teil einer Anrichte mit Porzellanteller zu erkennen. Gebrauchsgegenstände ostdeutscher Alltagskultur der Vorwendezeit, die die Fotografin Anja Bohnhof in Heimatmuseen zur DDR-Geschichte für ihre Fotoreihe "DDR-museale Ansichten" abgelichtet hat. "Eine Inszenierung von Alltag, der so gar nicht gelebt worden ist", erläutert Silke Eikermann-Moseberg, Leiterin der Stadtgalerie. Durch die Wahl des Bildausschnitts setzt Bohnhof die musealen Arrangements selbst noch einmal in Szene. "Sie schneidet dabei ganz radikal die abgebildeten Gegenstände an" betont Eikermann-Moseberg. Alle vier Fotoserien der Ausstellung "Fremdesland" beschäftigen sich mit der Alltagsgeschichte der DDR. Zum Beispiel die Reihe "Innere Angelegenheit" aus dem Jahre 2008 - eine fotografische Arbeit über die ehemaligen Untersuchungshaftanstalten des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Häufig sind die Bilder symmetrisch angelegt. Die Kargheit der von der Außenwelt völlig abgeschotteten Zellen wirkt erschreckend. Eikermann-Moseberg spricht von einer "konzentrierten Strenge" der Fotografien. Anja Bohnhof verzichtet auf Scheinwerfer. Lange Belichtungszeiten lassen die Räume gleichmäßig ausgestrahlt erscheinen. Die Fotografien sind alle aus einem ähnlichen Blickwinkel aufgenommen worden.

Die Künstlerin Anja Bohnhof wurde 1974 im westfälischen Hagen geboren und lernte den Osten Deutschlands erst nach der Wende kennen, als sie an der Bauhaus-Universität in Weimar studierte.

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