Presse:
Sie räumt Goethes Zimmer aus

Volksstimme

Es ist ihr auf den ersten Blick nicht anzusehen: Aber diese Frau plant, die Arbeitszimmer von Goethe und Schiller auszuräumen. Anja Bohnhof (34) ist freie Künstlerin und Fotografin. Seit Anfang April hat sie mit Hilfe eines Stipendiums in Salzwedel gelebt und ihre Arbeiten von hier aus weiter umgesetzt. Am Donnerstagabend präsentierte sie ihr Werk einem kleinen Publikum. Dort erklärte sie auch, was es mit ihrem Projekt auf sich hat, bei dem sie die Arbeitszimmer berühmter Leute ausräumen will., 28.06.2008 von Ina Bongartz

Salzwedel. Konzeptionelle Fotografie ist ihr Steckenpferd, ihre Begabung, vielleicht auch ihre Berufung. Und wer die Fotografien von Anja Bohnhof sieht, sieht auf den ersten Blick: Hier steckt viel Arbeit und Planung drin. Sie erklärt: "Meine Arbeiten konzipiere ich als Serien. Der Unterschied ist nur, ob es inszenierte oder dokumentarische Fotos sind." Bei ihrem Projekt "Abwesenheitsnotizen" hat Bohnhof die museal aufgearbeiteten Arbeitszimmer berühmter Personen wie Albert Einstein, Annette von Droste-Hülshoff, Robert Schumann und Martin Luther fotografiert. Die Besonderheit dabei: Anja Bohnhof räumt die Zimmer vorher komplett aus. Kein leichtes Unterfangen, wie sie sagt. Zum einen waren die Möbel teilweise sehr sehr schwer, besonders auf der Wartburg ein Hocker von Martin Luther, der aus Walknochen gefertigt war, zum anderen hatten die Museumsbetreiber zum Teil arge Bedenken angemeldet. Doch Anja Bohnhof konnte sie alle beruhigen. Mehr sogar noch. Mittlerweile sind ihre "Abwesenheitsnotizen", die Foto-Serie über berühmte leere Arbeitszimmer, über die Ländergrenzen hinaus bekannt. Derzeit ist sie in Helsinki zu sehen. Darauf, dass sie das Arbeitszimmer von Johann Wolfgang Goethe ausräumen darf, wartet Anja Bohnhof bereits seit drei Jahren. Aber sie ist optimistisch: "Ich habe in diesem Jahr noch einen Termin mit dem Weimarer Museum. Mit ein bisschen Glück klappt es diesmal. Schließlich hat sich die Ausstellung nun schon rumgesprochen."Die 34-Jährige fotografiert immer analog auf großformatigen Negativen. Neben den Arbeitszimmern hat sie auch Aufnahmen in einem DDR-Museum gemacht. "Es geht mir nicht darum, Antworten zu geben, sondern zu zeigen, wie etwas war. Das gleiche Prinzip habe ich in meiner neuesten Arbeit ,Innere Angelegenheit', bei der ich Gefängniszellen fotografierte, verfolgt."Mit Salzwedel direkt hatte Anja Bohnhofs Arbeit allerdings nichts zu tun. Ihr drei-monatiger Aufenthalt in der Hansestadt war allein der Tatsache geschuldet, dass sie vom Salzwedeler Stipendiatenhaus unterstützt wurde. Von Salzwedel aus fuhr die Dortmunderin nach Rostock, Erfurt, Dresden, Bautzen und Magdeburg, um Gefängniszellen abzulichten. Wer mehr über die Fotokünstlerin Anja Bohnhof wissen möchte, findet Informationen auf der Internetseite.

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