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Ausstellung: "von gestern.", Galerie Bautzner69, Dresden

Sächsische Zeitung

Bereich der vorbildlichen Ordnung und Sicherheit, Fotografie. Ossiläden und Kinderzimmer in der Galerie "Bautzner 69". von Udo Lemke, 18.04.2006

Dresden. Von gestern" hat Anja Bohnhof ihre Fotografie-Ausstellung genannt. Hinter dem doppeldeutigen Titel verbergen sich zwei Serien. "Mitten im Drüben" versammelt Aufnahmen kommerzialisierter Ostalgie -vom Ossiladen über die Kneipe und den Versandhandel bis hin zum Museum. "Immer Zimmer, Kinderzimmer" zeigt Männer von 25 bis 53 Jahren in ihren einstigen Kinderzimmern. Beide Serien stellen Orte vor, die förmlich nach Nostalgie schreien. Für Bohnhof sind sie Orte Auseinandersetzung.

Bislang waren Stadträume das beherrschende Thema der 1974 in Hagen geborenen Fotografin, die der Bauhaus-Universität Weimar studierte und heute in Dortmund lebt. So nahm sie etwa das Nürnberger NS-Reichsparteitagsgelände - die auf Ewigkeit angelegte Inszenierung der Macht - als schäbige, vergängliche Kulisse auf. So fotografierte sie mit Karen Weinert, Betreiberin der "Bautzner 69", DDR-Hochhäuser in Dresden und Leipzig, teils unter Beteiligung der Bewohner, die etwa mit ihren Markisen Banderolen um die Fassaden 16-Geschosser legten.

Bilder des Innehaltens

Die Kinderzimmer-Arbeit ist Bohnhofs erste Porträt-Serie. Wenngleich die Räume hier noch das gleiche Gewicht wie ihre einstigen Bewohner beanspruchen. Die Männer stehen oder sitzen, vom Fenster abgewandt. Das Draußen erscheint als grelles Viereck, in dem sich Konturen von Bäumen und Häusern abzeichnen. Die Aufnahmen haben nichts Anheimelndes, kaum Melancholisches, sondern wirken kühl-distanziert wie eine wissenschaftliche Milieustudie. Mit langer Belichtungszeit aufgenommen, verlangten sie den Fotografierten Geduld ab.

So sind Bilder des Innehaltens entstanden. Das Frappierende an ihnen ist, dass sich die Kinder-zimmer der beiden einstigen deutschen Teilstaaten kaum voneinander unterscheiden.

Ganz anders verhält es sich mit der Serie "Mitten im Drüben". Was die Fotografin hier eingefangen hat, lässt sich unter dem Schlagwort Ostalgie zusammenfassen.

Im strengen quadratischen Format aufgenommen, blickt Bohnhof auf Relikte der untergegangenen DDR. Etwa auf eine Wand mit Fahnen, die über und über mit Abzeichen und Orden übersät sind. In einen Raum des NVA-Museums Prora mit unter Plastikfolien aufgestän-derten Uniformen. Oder in einen Kölner Ossiladen mit Regalen voller wieder aufgelegter DDR-Konserven. Die Distanz zur Verramschung und Vermarktung in den Bildern ist subtil. So sind etwa die Uniformen durch ein Gitter fotografiert. Die Aufnahmen sollen nicht zum Schwelgen im Vergangenen einladen, zur Ostalgie, sondern die heutige Inszenierung der Dinge deutlich machen. Damit soll gezeigt werden, wie Geschichte durch Kommerzialisierung umgedeutet wird, verschwindet.

Bohnhof geht es also um das Große und Ganze. Allerdings bleibt der, der mit der DDR aufgewachsen ist, unwillkürlich am Detail hängen. Etwa an der massiven Metalltafel mit der Aufschrift "Bereich der vorbildlichen Ordnung und Sicherheit". Ein authentisches Detail findet sich in der "Bautzner 69" selbst: Ein umlaufendes Wandbild aus den 1950er Jahren. Es zeigt Spielzeug.

"von gestern", Fotografie von Anja Bohnhof, bis 22. April, Mi - Fr 17 - 20, Sa 15 - 18 Uhr, Galerie "Bautzner69", Bautzner Straße 69, 8 034 519

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