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Ausstellung: Große Kunstausstellung NRW 2005

Kölnische Rundschau

Wenn der Künstlerin alles Wurst wird, (dpa), 08.12.05

DÜSSELDORF. Alle Jahre wieder: Die als "Winterausstellung" über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus bekannte "Große Kunstausstellung NRW" in Düsseldorf zeigt ab Samstag Arbeiten von über 300 Künstlern. Zu Preisen zwischen 10 Euro und 220 000 Euro stehen die Werke zum Verkauf; und das ist schon seit über 100 Jahren so: 1902 gegründet, ist die "Große NRW" die älteste von Künstlern für Künstler organisierte Ausstellung Deutschlands, deren Exponate dem Publikum auch zum Verkauf angeboten werden. Zu sehen sind sie in diesem Jahr in Halle 8 auf dem Gelände der Düsseldorfer Messe.

Die traditionsreichen Strukturen will Kurator Axel Vater mit dem Ziel eines 25-prozentigen Anteils von Künstlern unter 35 Jahren mittelfristig verjüngen. Zwar dürfe der "Jugendlichkeitswahn" nicht übertrieben werden, sagte Vater gestern in Düsseldorf. Die "Große NRW" müsse sich aber auch wandeln und bewegen. "Wir brauchen neue Gesichter". Zu diesen gehört etwa die Düsseldorfer Künstlerin Brigitte Dams. Ihr Bodenobjekt unter dem Titel "Carpet / Trap" (Teppich / Falle), das aus ausrangierten, zu einem Teppich geflochtenen Feuerwehrschläuchen besteht, lebt von Gegen-sätzen. Etwa denen des Materials, das mit seinem feinen rosafarbenen Schimmer in Widerspruch zum groben Schlauchmantel voller Gebrauchsspuren steht.

Preis für den Dresdner Max Uhlig

Mit einer Sonderschau würdigt "Die Große" in diesem Jahr unter dem Motto "dreißigpluseiner" rückblickend die 30 Träger der seit 1975 dotierten Auszeichnung "Kunstpreis der Künstler" (2500 Euro). Die prominentesten sind Norbert Tadeusz, Heinrich Siepmann, Johannes Grützke, Gerhard Hoehme und Timm Ulrichs. Als 31. ist der diesjährige Preisträger dabei: Der Dresdner Maler und Grafiker Max Uhlig (68), der für sein Gesamtwerk ausgezeichnet wird, während die in Köln lebende Spanierin Elizabeth Cortinas-Hidalgo den mit 1500 Euro ausgestatteten Förderpreis bekommt. In der Fülle der ausgestellten Arbeiten sind manche Werke Hingucker wie der "Käfer" aus Kaffeebohnen von Anneliese Sojer oder der auf quadratischen Wischlappen von "Aaah, Zuck, Saug" erzählende Comic von Stefanie Pürschler.

Ins Auge springen auch Fotografien wie die gigantischen Wurstscheiben von Anke Ellergerhard, die Faszination und Ekel gleichermaßen erregen, die "DDR-musealen Ansichten" plüschiger Wohnzimmer mit Knüpfkissen und Katze von Anja Bohnhof oder das Fotoprojekt von Achim Schroten und Horst Jewanski. "Mache ein fotografisches Selbstporträt von Dir" heißt es in einer Kabine mit Stuhl und Kamera: Der Besucher soll Platz nehmen, Position und Ruhe finden und auslösen. Einen Abzug eines Selbstbildnisses kann man für zehn Euro mit nach Hause nehmen.

Messe Düsseldorf, Halle 8. Ausstellung bis 8. Januar. Di bis So, 11-18 Uhr.

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