Presse:
Große Kunstausstellung Halle (Saale) 2005

Mitteldeutsche Zeitung

Ein Kessel Buntes aus deutschen Ateliers, Villa Kobe in Halle präsentiert die vierte von Günter Kowa, 14.09.05

Halle/MZ. Im halleschen Ausstellungs-Sommer ist die "Große Kunstausstellung" der Villa Kobe in vierter Auflage mittlerweile eine feste Größe. Was sie nicht automatisch zum Publikumsmagnet macht, sieht man von der Vernissage ab. Vielleicht ist die Galerie, die Kunsthalle sein will, immer noch zu wenig klar definiert, wahrscheinlich aber bleibt das Hauptmanko die Lage abseits der kulturellen Trampelpfade der Stadt. Wie dem auch sei, man wünscht dieser kuratierten Auswahl von 146 Arbeiten von 74 Künstlern aus ganz Deutschland nun doch etwas mehr Zulauf. Glänzt sie doch mit einzelnen starken Auftritten, aber auch weil es partiell gelungen ist, ein zusammengewürfeltes Angebot ansprechend zu komponieren.

Viel Fotografie

Man muss allerdings festhalten, dass im Mix der künstlerischen Medien zwar Malerei und Skulptur harmonieren, beide aber weniger mit der Fotografie. Besonders dann nicht, wenn diese, wie hier, überwiegend dokumentarischen Charakter trägt. Es wäre besser, man könnte sich auf den unterschiedlichen Ebenen von Wirklichkeitsaneignung getrennt bewegen.

Konnten doch die Kuratoren auf einen Fundus beachtlicher Qualität zugreifen. Serielle Arbeiten vor allem - herauspräparierte Architekturen und Landschaften in der Nachfolge von Bernd und Hilla Becher, so in den "Konzertmuscheln" von Anja Bohnhof oder den "Späten Bildern vom Volkseigentum" von Gert Kiermeyer. Dass immer noch unerschöpflich Potenzial in der Sozialreportage steckt, beweist etwa Sylvia Ballhause mit ihren Dokumenten gestrauchelter Biederkeit in den "Zellwänden", aber auch das Leipziger Nachwuchstalent Stefan Passig mit seinen vom Blitzlicht überraschten Passanten.

Sparsam gesetzt, aber durchweg beeindruckend die Plastik. Der Thüringer Ulrich Barnickel schafft aus ein paar Faltungen geschmiedeten Eisens einen wunderbar voluminösen "Tanz", und selbst André Kestels Mini-Roller mit Rädern aus Gussglas amüsiert als Objekt nutzloser Ästhetik. Winfried Stolls Speckstein-Torsi schließlich münden beim näheren Hinsehen im Schock des Motivs. Sie deuten Gewalt an, die aus dem Material heraus noch verstärkt wird. Sich zu vertiefen belohnt auch die Installation des Kölners Joachim Römer, der aus Treibgut vom Rhein "Luftschiffe" konstruiert und schwebend in Szene gesetzt hat, freilich dafür geeignetere Räume bräuchte.

Als eine farblich und in der Perspektive ungewöhnliche Studie betrachtet man ein Farbrelief der Münchnerin Iara Simonetti. Eher zwiespältig steht man dagegen vielen anderen der zahlenmäßig vorherrschenden Zeugnisse jüngerer Malerei gegenüber. Symptomatisch für die fortdauernde Krise stehen die monochromen Bilder leerer Ateliers von Ilona Ottenbreit. Symptomatisch ist es auch, dass der Plauener Erik Seidel mit grafisch starken Farbholzschnitten hervorsticht, die nervöse, bedrohliche schwarze Umrisse gegen einen lichtgrünen Fond setzen. Das ist die Gegenposition zu so viel bunter, lauter, inhaltlich gewollter Motivik, wie sie vielfach zu sehen ist.

Glitzernde Winterwelt

Ermattet erscheint auch die Tradition der Konkreten Kunst, die alte Rezepte wiederkäut, auch wenn sie durchaus noch zu verblüffen vermögen wie zum Beispiel Achim Freyers Würfelrelief "6x6".Verblüffend, und dabei auch neuartig erscheint dagegen das Licht-Spiel "Blütenmeer" (tatsächlich aber eine glitzernde Winterwelt) der mit ihren Lichtinstallationen stets einfallsreichen Nürnberger Künstlerin Stefanie Pöllot. Offenbar muss man in Korea geboren sein, um sich auf Malerei rein und pur einzulassen; Ju Hyun Lee oder Mi Hyang Kim vor allem, die entweder gegenständlich oder abstrakt europäische Traditionen aufgreifen, um sie unbefangen auf eigene Art umzusetzen.

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